08.01.2020

Bewerbungen im Ausland: Fallstricke, Fettnäpfchen und wie man sie vermeidet

Der Arbeitsmarkt ist zunehmend international und so suchen nicht nur deutsche Firmen nach internationalen Fachkräften, sondern viele internationale Firmen rekrutieren deutsche Experten. Ein, zwei oder drei Jahre im Ausland können ein Karrieresprungbrett sein, eröffnen neue Perspektiven, helfen dabei, Sprachkenntnisse zu verbessern. Und: Ein Auslandsaufenthalt ist schlichtweg spannend.

Wer sich aber im Ausland oder bei ausländischen Firmen bewirbt, dem sollte bewusst sein, dass Bewerbungsverfahren von Land zu Land sehr unterschiedlich sind. Das fängt bereits beim Bewerbungsschreiben an. „Ich würde mich nach den Standards des Lebenslaufs und des Anschreibens im jeweiligen Land informieren. Je nach Land sind die Normen und Gepflogenheiten nämlich andere als in Deutschland“, sagt Bewerbungsexperte und Manager Christoph Enzenmüller. „In Frankreich bspw. beginnt man einen Lebenslauf in der Regel mit einer Zusammenfassung über seine persönlichen Stärken und Ziele.“ Im englischen Sprachraum erwarten Unternehmen hingegen, dass der Bewerber mindestens zwei Referenzen nennt, die das Unternehmen kontaktieren kann. Das können ehemalige Arbeitgeber sein, Vorgesetzte oder auch Universitätsprofessoren, wenn jemand sich frisch von der Uni bewirbt.

Ein schwieriges Thema sind Bewerbungsfotos. Im englischsprachigen Raum ist es zum Beispiel nicht üblich, dem Lebenslauf ein Bewerbungsfotos beizufügen. Dabei geht es vor allem darum, Diskriminierung zu vermeiden, sei es wegen des Aussehens oder der Hautfarbe. Tatsächlich ist es inzwischen auch durchaus üblich, dass im Bewerbungsverfahren bei der Auswertung von Bewerbungsschreiben und Lebenslauf selbst der Name anonymisiert wird, weil der Rückschlüsse auf Herkunft oder das Geschlecht erlaubt. Die Antidiskriminierungsregeln sind gerade in England sehr viel strenger als in Deutschland.

Einer der größten Fehler in der Bewerbung sind tatsächlich Rechtschreibfehler. „Wenn man sich schriftlich im Englischen nicht zu 100% auskennt, dann empfiehlt es sich, hier professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagt der Experte. Anschreiben sollten natürlich immer auf die entsprechende Stelle zugeschnitten sein. Dennoch kann es Sinn machen, ein gutes Anschreiben vorzufertigen, das man als Basis für alle Bewerbungen nutzen kann. Darin kann man zum Beispiel seine Qualifikationen, Interessen etc. darlegen und muss das Anschreiben dann lediglich an die entsprechende Stellenbeschreibung anpassen.

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Der internationale Stellenmarkt ist aber nicht nur für Bewerber kompliziert. Auch Unternehmen, die international agieren, haben mit den entsprechenden Fallstricken zu kämpfen: Internationale Unternehmen sollten die eigenen Vorstellungen, die sie von einem „typischen“ Lebenslauf haben, daher etwas zurückschrauben und Bewerbern die Chance zu einem telefonischen oder persönlichen Gespräch geben, auch wenn das Bewerbungsschreiben oder der Lebenslauf vielleicht nicht ganz dem aus Deutschland gewohnten Standard entspricht.

Was also sollten Bewerber und auch Unternehmen im Hinterkopf behalten:

1. Wie eine Bewerbung auszusehen hat, ist von Land zu Land unterschiedlich und hängt von der jeweiligen Arbeitskultur ebenso ab, wie von gesetzlichen Vorgaben. „Cultural Awareness“ ist daher ein wichtiger Punkt – nicht nur für die Bewerbung, sondern auch für die spätere Zusammenarbeit in einem internationalen Kontext.

2. Information ist alles! Wer sich im Ausland bewirbt, sollte sich eben nicht nur über das Unternehmen informieren, sondern auch über Bewerbungsstandards und Erwartungen an potentielle Kandidaten.

3. Eine ansprechende Bewerbung gestalten. Dazu gehört nicht nur ein gutes Layout, sondern auch die korrekte Anrede und natürlich, dass der Text grammatikalisch richtig ist. Kandidaten, die sich nicht ganz sicher sind, wie gut sie eine Fremdsprache beherrschen, sollten noch einmal jemanden drüber schauen lassen, der gute Fremdsprachenkenntnisse hat.

4. Nicht abschrecken lassen! Im Ausland bewerben erfordert Mut, eröffnet aber auch ganz neue berufliche Chancen. Erscheint ein Job interessant, dann sollten sich Kandidaten bewerben – auch wenn die Arbeit für ein Unternehmen im Ausland vielleicht erst einmal einschüchternd wirkt.