02.12.2020

Digitale Währung – bequemes Zahlungsmittel oder Überwachungsalptraum?

Digitalisierung ist in aller Munde und das betrifft nicht nur Unternehmensprozesse und Arbeitsweisen, sondern auch den Finanzmarkt. Gemeint sind hier nicht Onlinebanking oder digitaler Aktienhandel, sondern digitale Währungen – auch Kryptowährungen genannt. Die Berater der Düsseldorfer Headhunter head for work kommen mit dem Thema digitale Währung bereits regelmäßig am Rande in Berührung. „In anderen Bereichen ist es aber bereits Gang und Gäbe“; sagt Geschäftsführer Denis Drago. „Für die Zukunft wird es mit Sicherheit auch in den kompletten Alltag einfließen. Das bedeutet das man überall bargeldlos zahlen wird und alles noch transparenter sein wird, als es aktuell ist.“ Deshalb ist es für Unternehmen bereits heute wichtig, sich intensiver mit dem Thema digitale Währungen zu beschäftigen und sich gegebenenfalls mit Hilfe von Beratern, den richtigen Mitarbeiter ins Team zu holen – gerade in der Finanzbranche.

Entwicklungen am Finanzmarkt: Wird der Euro digital?

Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet inzwischen verstärkt an einem digitalen Euro, einen offiziellen Beschluss gibt es derzeit aber noch nicht. Die Idee orientiert sich an bereits bestehenden digitalen Währungen, wie Bitcoin und soll auf Blockchain-Technologie basieren. Um eine etwas komplizierte Technologie etwas einfacher zu erklären: Blockchain ist eine dezentrale Datenbank mit einer Kettenstruktur, die es erlaubt verschlüsselte Informationen sicher über ein Netzwerk von Computern zu verteilen und kontinuierlich neue Informationen abzuspeichern. Die Transaktionsdaten werden in einem recht komplizierten Prozess in Blöcken gesichert und alle folgenden Transaktionen bauen auf den bestehenden auf. Das macht es unmöglich, frühere Transaktionen nachträglich zu manipulieren. Damit ein neuer Block an die Blockchain-Kette angehängt werden kann, müssen andere Netzwerkteilnehmer diesen zunächst validieren, so dass die gespeicherten Daten trotz fehlender Zentralinstanz korrekt und zuverlässig sind. Einmal der Blockchain zugefügt, lässt sich ein Block nicht mehr entfernen.

Neu ist die Idee Blockchain-basierter digitaler Währungen selbstverständlich nicht: Bereits 2018 gab es weltweit über 4.500 Kryptowährungen, von denen aber nicht alle tatsächlich einen größeren Handelsumsatz erzielen. Den größten Marktanteil hat Bitcoin und anders als herkömmliche Währungen sind die meisten Kryptowährungen bislang nicht staatlich eingeführt, benötigen keine Noten- oder Zentralbank und unterstehen keiner Behörde oder Organisation. Das macht sie für den Zahlungsverkehr für viele interessant. Gleichzeitig sehen Finanzbehörden und Polizei hier deshalb aber weiterhin das Risiko, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen wegen der Anonymität und fehlender Kontrolle für illegale Geschäfte oder Betrug genutzt werden könnten. Deutschland hat Bitcoin 2013 als Rechnungseinheit und privates Geld rechtlich und steuerlich anerkannt. Es ist aber kein gesetzliches Zahlungsmittel.

All das wäre bei einem digitalen Euro aller Voraussicht nach anders, denn ein digitaler Euro stünde unter Aufsicht der Zentralbank und wäre letztlich ein digitales Zentralbankgeld, das – so die Idee – von einer breiteren Bevölkerung genutzt werden könne. Laut EZB Präsidentin Christine Lagarde würden immer mehr Menschen auf elektronischem Weg bezahlen, sparen und investieren. „Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen in unsere Währung zu sichern. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digitale Zeitalter gerüstet ist.“ Und auch wenn ein digitaler Euro nicht unmittelbar bevorsteht: „Wir sollten darauf vorbereitet sein, einen digitalen Euro einzuführen, sollte dies erforderlich werden“, sagt Lagarde. Der digitale Euro würde das Bargeld dabei keinesfalls ersetzen, vielmehr wäre es eine digitale Ergänzung zu bestehenden Zahlungssystemen. Derzeit berät die Zentralbank mit Wissenschaftlern, Behörden, dem Finanzsektor und Bürgern, ob und wie eine derartige Kryptowährung möglich ist.

Digitale Währung und Digitalisierung: Kritiker fürchten zunehmende Überwachung

Digitale Währungen sind nicht unumstritten – gerade wenn sie, wie im Falle eines digitalen Euro, staatlicher oder quasi-staatlicher Kontrolle unterstehen. „Die Frage die man sich stellen muss, ist: Was bezweckt man mit der digitalen Währung? Möchte man den Zahlungsverkehr vereinfachen und somit dynamischer gestalten? Möchte man damit jegliche Möglichkeiten der Geldwäsche unterbinden?“ sagt head for work Geschäftsführer Denis Drago. Oder seien digitale Währungen nicht vielmehr ein staatliches Kontrollinstrument, immerhin schafft es eine größere Transparenz, was zum Beispiel das Kaufverhalten angeht. „Ich persönlich empfinde es als ein Tool, welches zu viel Kontrolle an Dritte überträgt“, sagt Drago. „Per Knopfdruck ist man in der Lage den Bürger sein Konto einzufrieren bzw. das Geld einzuziehen. Aktuell hat man zumindest die Möglichkeit sein Geld abzuheben und klassisch unter dem Kissen zu horten.“ Denis Drago empfindet Kryptowährungen daher als ein eher befremdliches und zum Teil beängstigendes Thema. „Der Mensch fühlt sich noch immer wohler, wenn er etwas in der Hand hat.“

Denis Drago ist mit dieser Sorge nicht alleine. So verwies Thorsten Polleit, Chefvolkswirt beim Goldhändler Degussa, in einem Gastbeitrag in der Wirtschaftswoche auf die Gefahr einer Verstaatlichung des Kreditmarktes, die „der totalen Überwachung der Bürger Tür und Tor“ öffne.

Digitales Zentralbankgeld sei bequem, kostengünstig und bedienerfreundlich und damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass viele es als Zahlungsmittel anstelle von Bargeld akzeptieren. Grundsätzlich würde das der Geldbehörde erlauben nachzuvollziehen, wer, was, wann und wo kauft, schreibt der Kritiker. „Das Ende der finanziellen Privatsphäre wäre eingeläutet.“ Beteuerungen, die Privatsphäre der Kunden bleibe geschützt, überzeugen Polleit nicht. „Chinas Zentralbank spricht es aus: Mit digitalem Zentralbankgeld sollen die Menschen wirksam kontrolliert und gesteuert werden.“

Revolution auf dem Finanzmarkt?

Darüber hinaus sieht Polleit Probleme für den Finanzmarkt. Ein Beispiel: Zentralbanken hielten das Monopol für Zentralbankgeld, das sie normalerweise in Form von Bargeld oder Zentralbankguthaben ausgäben. Anders als Geschäftsbanken könne sie dabei nicht Pleite gehen, da sie jederzeit Geld nachdrucken könne, um Rechnungen zu begleichen. „Mit der Einführung eines digitalen Euros soll jeder Bankkunde die Möglichkeit haben, sein Guthaben, das er bei einer Geschäftsbank hält, in digitales Zentralbankgeld einzutauschen (...). Wenn Banken wanken, kann man sein Guthaben per Mausklick in digitales Zentralbankgeld umbuchen“, schreibt Polleit. Das klingt erst einmal gut, doch Polleit warnt vor ernsten Gefahren für Banken: In Krisenzeiten könnten Menschen ihre Ersparnisse in Bankkonten in sicheren digitalen Zentralbank-Euro umtauschen – und so dafür sorgen, dass Geschäftsbanken zahlungsunfähig werden und eine Finanzkrise vertiefen.

Digitale Währung: Vor- und Nachteile

Digitale Währungen sind sehr unterschiedlich: Bitcoin oder andere nicht-staatliche Kryptowährungen haben ganz andere Vor- und Nachteile als der – bislang nur als Idee existierende – digitale Euro. Erstere bieten mehr Freiheit abseits staatlicher Kontrolle, aber auch eine ganze Liste von Problemen: eine hohe Volatilität zum Beispiel mit Kurschwankungen von 10-20 Prozent, keine Rückabwicklung von Zahlungsverkehr, wenn es eine fehlerhafte Transaktion gibt, hohe Transaktionskosten, relativ langsame Abwicklung und eben auch keine Zentralinstanz, die einschreitet, wenn etwas schiefläuft. Letzteres ist aber auch eine der größten Stärken bisheriger Kryptowährungen, da dies beispielsweise eine Korruption des Systems unmöglich macht. Ein digitaler Euro würde einen Teil der Bitcoin-Probleme ausschalten, zum Beispiel die Volatilität. Es ist zu erwarten, dass der digitale Euro dem Kurs des „realen“ Euro entspricht. Mehr Kontrolle durch eine Zentralinstanz und das damit verbundene Problem der Datensicherheit und möglicher Überwachung ist aber eine Frage, die bislang nicht ausreichend geklärt ist. Viel Zeit sich diesen essentiellen Fragen zu widmen, bleibt nicht mehr: Mitte 2021 wird die EZB endgültig entscheiden, ob das Projekt digitaler Euro tatsächlich an den Start gehen wird.

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