25.06.2019

Flexibler, kreativer und zufriedener im Home-Office

Von zu Hause zu arbeiten, das scheint auf den ersten Blick verlockend. Auf den zweiten Blick ergeben sich trotz der vielen Vorteile einige Fallstricke. Wie wird die Arbeit im Home-Office zum Gewinn für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Die Vorteile der Arbeit im Home-Office

Wegfall des Arbeitsweges: Wer zu Hause arbeiten kann, spart den Weg zur Arbeit und damit Geld und Zeit. Wie oft ärgern sich Autofahrer über die wertvolle Zeit, die sie täglich auf der Straße verschwenden.
Nicht zu unterschätzen ist der Stress, den der Arbeitsweg mit sich bringt. Unfälle, Staus, Umleitungen, schwierige Witterungsverhältnisse und aggressive Verkehrsteilnehmer gehören dazu. Selbst Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel kommen nicht ungeschoren davon, sie kennen Zugausfälle und Verspätungen zur Genüge.

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Wer Kinder oder betreuungsbedürftige Personen im Haushalt versorgen muss, profitiert von der Arbeit im Home-Office. Viel besser kann es gelingen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Das bedeutet vor allem für Frauen, die den Großteil der Kinderbetreuung übernehmen, eine Chance.

Bessere Arbeitsbedingungen: Für viele Arbeitnehmer führt die Arbeit im Heim-Büro zu einer deutlichen Steigerung der Arbeitsqualität. Die Ursache liegt in der Ruhe. Wer die Arbeit in einem Büro mit mehreren Mitarbeitern gewohnt ist, in dem immer irgendwer telefoniert und irgendwer über die Erfolge der Kinder, über die erlebten Urlaubsabenteuer oder das vergangene Wochenende berichtet, ist einer dauerhaften Ablenkung ausgesetzt. Das hat nicht nur einen Einfluss auf die Arbeitsqualität, auch die Gesundheit der Mitarbeiter leidet unter dem dauerhaften Geräuschpegel. Ein geeigneter, ruhiger Arbeitsplatz zu Hause bedeutet dann eine echte Wohltat. Die Chance, den Arbeitsplatz zu Hause so ausstatten zu können, dass man sich wohlfühlt, ist ein weiterer Pluspunkt.

Steigende Motivation: Wenn Arbeitnehmer die Möglichkeit erhalten, von zu Hause aus zu arbeiten, gilt das als Vertrauensbeweis und Anerkennung ihrer Arbeit. Der Arbeitgeber wird zunächst prüfen, wer engagiert und verlässlich genug ist, um im Home-Office die erwarteten Leistungen zu bringen. Arbeitnehmer, bei denen die Vermutung begründet ist, dass sie den Bürostuhl schnell mit dem Sofa oder dem Liegestuhl tauschen, werden die Chance nicht erhalten.

Kostenersparnis und Umweltschutz: Der Arbeitgeber profitiert nicht nur von der erhöhten Zufriedenheit der Arbeitnehmer und oft von höheren Leistungen, er kann Kosten sparen. Intelligente Lösungen sind erforderlich, um die Büros an die Flexibilität der Telearbeit anzupassen. Wenn das gelingt, können Energiekosten und Miete sinken. Auch die Umwelt profitiert durch den Wegfall der täglichen Arbeitswege.

Die Nachteile der Arbeit im Home-Office

Neue Kommunikationsformen erforderlich: Wer berufstätig ist, verbringt einen Großteil seiner Zeit mit Kollegen. Auch, wenn es einige gibt, auf deren Anwesenheit man gern verzichtet, gibt es die, mit denen man gern zusammen ist. Im Home-Office fehlen solche Kollegen. Auch das Telefonieren oder die Kommunikation per E-Mail sind kein Ersatz für diese Kontakte.

Herausforderung für die Arbeit im Team: Der soziale Aspekt der Arbeit im Home-Office ist sowohl für den Einzelnen als auch für das Team eine Herausforderung. Jedes Team hat Motivatoren, Ideengeber, Mitläufer. Schwierig wird es, Motivatoren und Ideengeber plötzlich nicht mehr anwesend sind. Die Teamarbeit muss neu gedacht und neu strukturiert werden. Arbeitgeber sollten diesen Aspekt nicht missachten. Teams, in denen alle Beteiligten im Home-Office arbeiten, haben es leichter eine passende Struktur zu finden.

Gefahr für die Karriere: Wer im Home-Office arbeitet, während Kollegen mit vergleichbaren Aufgaben ständig präsent und im Kontakt mit den Vorgesetzten sind, wird schnell übersehen. Diese Gefahr für die Karriere und den Verdienst ist nicht zu unterschätzen.

Herausforderung an das Zeit- und Selbstmanagement: Der gewöhnliche Arbeitstag erhält durch die räumliche Trennung von Wohnung und Büro und den täglichen Arbeitsweg automatisch eine Struktur. Die Arbeit beginnt und endet im Büro und wenn man zu Hause ist, beginnt das Privatleben. Wer sein Büro in der eigenen Wohnung hat, muss eine Struktur schaffen. Es gilt, die Arbeitszeit zur Arbeit zu nutzen und sich weder vom Haushalt noch von anderen Verlockungen ablenken zu lassen. Nicht jeder schafft es. Man könnte mal schnell Staub saugen, Kuchen backen, Wäsche waschen oder das Unkraut im Garten zupfen. Wer es nicht schafft, diese privaten Dinge auszublenden und sich konzentriert seinen Aufgaben zu widmen, wird seiner Verantwortung für das Unternehmen nicht mehr gerecht. Dann ist Ärger mit den Kollegen und den Vorgesetzten vorprogrammiert.

Überlastungsgefahr: Häufig ist die Annahme, dass Arbeitnehmer im Home-Office weniger als üblich arbeiten. Nicht selten findet das Gegenteil statt. Arbeitnehmer, die engagiert sind und zu einer Selbstüberlastung neigen, laufen Gefahr, dass sie zu Hause kein Ende mehr finden. Während im Unternehmen die Vorgesetzten die Pflicht haben, auf die Gesunderhaltung der Mitarbeiter zu achten, sieht niemand, ob ein Mitarbeiter im Büro zu Hause täglich 10, 12 oder 15 Stunden arbeitet. Zunächst wird der Arbeitgeber mit dem Leistungszuwachs zufrieden sein, ein Burnout und gesundheitliche Beeinträchtigungen sind die Folge.

Mangel an Bewegung: Ohne den Weg zur Arbeit entfällt ein Teil der täglichen Bewegung. Selbst, wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, legt den Weg zur Garage und vom Mitarbeiterparkplatz ins Büro zu Fuß zurück. Für Abstimmungen mit Kollegen, Wege zum Kopierer oder zur Teeküche, ist es notwendig, das Zimmer oder Gebäude zu wechseln. All das entfällt zu Hause.

10 Tipps, damit die Arbeit im Home-Office gelingt

  • Strukturieren Sie Ihren Arbeitstag in Arbeitszeit und Freizeit und halten Sie sich daran. Dokumentieren Sie zur Kontrolle Ihre Arbeitszeiten.

  • Trennen Sie Arbeit und Privatleben auch räumlich. Wer am Wochenende den Schreibtisch mit den unerledigten Akten vor Augen hat, kann nicht entspannen. Optimal ist ein abgeschlossenes Arbeitszimmer.

  • Lassen Sie sich nicht ablenken. Weder der Haushalt noch die gesprächsbereite Nachbarin dürfen eine Rolle spielen, wenn Sie dabei sind, den Jahresabschluss für Ihr Unternehmen zu erstellen.

  • Schaffen Sie feste Zeiten für Abstimmungen im Team und mit den Vorgesetzten.

  • Bleiben Sie sichtbar! Suchen Sie immer wieder das Gespräch mit Ihren Vorgesetzten, zu Qualifizierungen und Entwicklungsmöglichkeiten.

  • Achten Sie auf Ruhe. Alle Familienmitglieder müssen akzeptieren, dass Sie im Home-Office arbeiten und nicht gestört werden dürfen. Im Notfall hilft ein Schild an der geschlossenen Zimmertür.

  • Entwickeln Sie Rituale. Machen Sie sich morgens für den Arbeitstag zurecht. Verbringen Sie die Mittagspause nicht im Büro. Gehen Sie in einen anderen Raum oder an die frische Luft.

  • Achten Sie auf ausreichende Bewegung. Nutzen Sie die durch den Wegfall des Arbeitsweges geschenkte Zeit am besten zum Joggen oder Walken.

  • Halten Sie Kontakt zu den Kollegen. Denken Sie an die Geburtstage, nehmen Sie an Meetings und Weihnachtsfeiern teil. So behalten Sie Ihren Platz im Team.

  • Schüren Sie keinen Neid. Gehen Sie sparsam mit Informationen zu den Pluspunkten Ihrer neuen Arbeitsform um. Es kommt nicht gut an, wenn die Kollegen immer wieder hören, was die Flexibilität der Arbeit im Home-Office für Sie für Möglichkeiten schafft, die ihnen jedoch verwehrt sind.

Die Arbeit im Home-Office hat viele positive Seiten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Alle Beteiligten brauchen Zeit, um sich an die neue Arbeitsform zu gewöhnen und doch ist sie nicht für jeden geeignet. Die Digitalisierung hat das Home-Office ermöglicht. Jeder fünfte Arbeitnehmer nutzt heute diese Chance. Wir können gespannt sein, welche Entwicklungen die Arbeitswelt in Zukunft noch für uns bereithält.