Lob als Erfolgsfaktor

 

Laura* hat vor kurzem eine neue Stelle in einer Werbeagentur angenommen. Die ersten zwei Wochen sind vollgepackt mit Schulungen und Kennenlern-Treffen, aber auch den ersten richtigen Arbeitsaufgaben. Am Ende der zweiten Woche kommt eine Nachricht der Chefin an alle Kollegen über den MSTeams-Chat: Ein Lob für Laura, die gerade eine Aufgabe „perfekt“ abgeschlossen hat. Als Laura an dem Tag den Computer herunterfährt, hat sie ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Der neue Job scheint ideal und sie kann es kaum erwarten, zu sehen, welche Aufgaben als nächstes anstehen.

Lob und Motivation

Lob als Teil der Unternehmensphilosophie

Lob ist tatsächlich als Erfolgsfaktor nicht zu unterschätzen und kann sich wesentlich auf die Zufriedenheit im Job auswirken. Darüber hinaus ist Lob entscheidend für die Motivation von Mitarbeiter*innen, wie inzwischen verschiedene empirische Untersuchungen bestätigt haben. Dass das Loben tatsächlich immer noch unterrepräsentiert ist, liegt unter anderem am Glauben an die Rationalität und die geistigen Fähigkeiten des Menschen als Fortschrittmotoren. Diese Vorstellung gibt es spätestens seit der Aufklärung mit ihrem Fokus auf die menschliche Vernunft als Mittel der Erkenntnis. Dabei wurde aber oft die emotionale Ebene und ihre Auswirkung auf den Menschen vernachlässigt. Noch immer gelten Gefühle und besonders das Zeigen von Gefühlen in der Berufswelt als unprofessionell und das beeinflusst, wie wir mir Themen wie Stolz auf die eigene Leistung oder dem Lob der Leistung anderer umgehen. Wer den Menschen aber als eine Einheit von Verstand und Gefühl versteht, wie das inzwischen viele Coaches Unternehmen nahezubringen versuchen, der kann leicht die Wirkung von Lob nachvollziehen: Erfolg macht glücklich und wer als Vorgesetzter den Erfolg einer Mitarbeiter*in lobt, der sorgt für Glücksgefühle und damit eine höhere Zufriedenheit im Job.

 

Beim Thema Lob geht es aber nicht nur um das Lob von Vorgesetzten – wie in Lauras Fall – sondern auch um Lob unter Kollegen und Selbstlob, auch wenn das vielleicht erst einmal nach zu viel Ego klingt. Und wem das Wort „Lob“ zu altbacken erscheint, der kann es an dieser Stelle gerne durch „Anerkennung“ oder „Wertschätzung“ ersetzen.

Das richtige Lob zur richtigen Zeit

Andere zu loben ist gar nicht so einfach. Es kommt dabei nicht nur auf die richtigen Worte an, sondern auch auf den richtigen Zeitpunkt und die Häufigkeit. Wer als Manager zum Beispiel jeden noch so kleinen Erfolg lobt, dessen Lob werden die Mitarbeiter*innen irgendwann nicht mehr richtig ernst nehmen. Andersherum werden Mitarbeiter*innen es ihrem Chef oder ihrer Chefin nicht abnehmen, wenn sie nur dann ein Lob bekommen, wenn jemand dem oder der Vorgesetzten zugetragen hat, dass das Team mit dem mangelnden Feedback unzufrieden ist.

Vorgesetzte sollten beim Loben zudem immer etwas Vorsicht walten lassen und sich auf die jeweiligen Mitarbeiter*innen einstellen. So gibt es beispielsweise Menschen, die auf Lob nicht nur skeptisch, sondern gar misstrauisch reagieren – nach dem Motto: „Wenn der mich jetzt lobt, dann will der bestimmt etwas von mir… da kann ich die Überstunden ja gleich einplanen.“ Andere fühlen sich durch Lob womöglich gestresst, weil sie sich selbst unter Druck setzen, um die damit vermeintlich verbundenen Leistungserwartungen zu erfüllen.

Entsprechend sensibel müssen Führungskräfte also mit dem Thema umgehen und die richtige Ansprache für die entsprechenden Mitarbeiter*innen finden – und gegebenenfalls das Lob erklären, wenn der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin es nicht versteht.

 

Darüber hinaus gilt es auch immer zu bedenken, dass Lob eine vertikale Beziehung oder ein Machtgefälle erzeugen kann: Der an der Spitze teilt Lob aus, der Untergebene empfängt es. Der an der Spitze nimmt sich das Recht heraus, die Arbeit des oder der anderen zu beurteilen, während der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin die Beurteilung hinnehmen muss – selbst, wenn sie positiv ausfällt, kann das unangenehm sein. Das führt direkt zum nächsten Punkt:

Lob unter Kolleg*innen

Um solche Dynamiken zu vermeiden, ist es wichtig, dass Lob, Anerkennung und ein ernst gemeintes Dankeschön auch unter Kolleg*innen normal wird. Unterstützt beispielsweise eine Grafikerin das Team bei der Erstellung einer Broschüre, dann ist es vollkommen angemessen, wenn sich die anderen für die gute Unterstützung bedanken. Im Gegenzug könnte die Grafikerin dann ein Lob dafür aussprechen, wie gut sie in das Team aufgenommen wurde und wie viel sie beispielsweise vom Sales-Team gelernt hat. Das schafft eine entsprechende Kultur im Unternehmen, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Vorgesetzte können mit gutem Vorbild vorangehen und ihre Teams entsprechend zu gegenseitigem Lob motivieren.

Selbstlob hilft dabei, die Anerkennung anderer anzunehmen

Sich selbst zu loben, fällt vielen Menschen schwer, nicht nur weil ambitionierte Menschen oft unter Imposter-Syndrom leiden, sondern auch, weil sie nicht als selbstbezogen gelten möchten. Immerhin kennt jeder die Redeweise: „Eigenlob stinkt.“ Dabei ist es laut Psychologen und Coaches tatsächlich wichtig, dass Menschen sich selbst loben können, wenn sie etwas gut gemacht haben. Wer dazu neigt, sich selbst ständig zu kritisieren oder wer den Wert der eigenen Arbeit nicht kennt, dem fällt es schwer, das Lob anderer anzunehmen. Also: Ruhig mal sich selbst auf die Schulter klopfen, wenn man ein schwieriges Problem gelöst oder eine erfolgreiches Kundengespräch geführt hat.

Lob sollte Konsequenzen haben

Lob und Anerkennung sind natürlich schön. Doch wer seinen Job immer zur Zufriedenheit der Vorgesetzen macht, der erwartet – zu Recht – mehr als nur ein paar nette Worte. Zur Anerkennung gehört die entsprechende Honorierung der Leistung, sei es durch eine Beförderung oder eine Gehaltserhöhung. Auch das sollten Führungskräfte berücksichtigen.

 

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