08.02.2021

Neue Arbeitssituation: Lässt sich die Mitarbeiterbindung trotz Lockdown und Homeoffice aufrecht halten?

Homeoffice oder nicht, gemeinsame Pause oder sicherheitshalber lieber Abstand halten – Arbeit und Privatleben, beide sind derzeit ein komplizierter Balanceakt, der Mitarbeiter und Unternehmensführung gleichermaßen überfordern kann. Schnell kommt da unterschwellige eine seltsame Stimmung auf und keiner weiß genau warum. Mitarbeiter langfristig an sich zu binden, ist für Unternehmen wichtig. Und für diese Mitarbeiterbindung sind nicht nur greifbare Anreize wie Bezahlung und Urlaubstage wichtig, sondern auch emotionale Faktoren. Mitarbeiter müssen sich dem Unternehmen zugehörig und mit ihm verbunden fühlen, nur dann bleiben sie dem Unternehmen lange erhalten.

Um Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass das Unternehmen sie wertschätzt und bei der Karriere unterstützt, gibt es viele klassische Maßnahmen – leider funktionieren viele davon aber derzeit nicht, weil es beispielsweise strenge Auflagen für Gruppenaktivitäten gibt. Das kann ein Problem sein, denn emotionale Bindungen brechen schnell auf, wenn der Spaß und die gemeinsamen Aktivitäten wegfallen.

Klassische Maßnahmen: Wie lässt sich die Loyalität von Mitarbeitern gewinnen und halten?

Bei der Mitarbeiterbindung unterscheidet die Forschung zwischen zwei Bindungsformen:

1. Kalkulative Bindung: Mitarbeiter wägen ab, welche Vor- und Nachteile ihnen die Arbeit in einem Unternehmen bietet und wie das Unternehmen dabei gegenüber anderen potentiellen Stellen abschneidet. Für Mitarbeiter ist wichtig, dass ein Unternehmen ihren Interessen entgegenkommt. Darunter fallen beispielsweise Faktoren wie das Gehalt und welche Vorteile sich für die weitere Karriere bieten.

2. Qualifikationsorientierte Bindung: Mitarbeiter achten darüber hinaus auf Weiterbildungsangebote und Mitarbeiterförderung. Hier können Unternehmen ganz gezielt ansetzen, da sich gezeigt hat, dass Fördermaßen viele Mitarbeiter sehr positiv ansprechen.

Entsprechend gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Die Work-Life-Balance ist zum Beispiel wichtig, ebenso wie die Möglichkeit zu längeren Sabbaticals, Arbeitsplatzsicherheit, Weiterbildungsangebote, attraktive und sinnvolle Aufgaben, ausreichend Urlaub, betriebliche Gesundheitsförderung, Eigenverantwortung und Belohnungen für gute Leistungen. All das trägt zu einem guten Arbeitsklima und einer guten Unternehmenskultur bei. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt unter anderem vom Alter, dem Geschlecht und der privaten Situation der Mitarbeiter ab. Ältere Mitarbeiter kurz vor der Rente haben natürlich anderen Ansprüche, als junge, dynamische Karrieristen oder Mitarbeiter, die gerade eine Familie gegründet haben.

Neue Arbeitssituation: Lässt sich die Mitarbeiterbindung trotz Lockdown und Homeoffice aufrecht halten?

Einige der angesprochenen Maßnahmen lassen sich natürlich auch in der neuen Arbeitssituation ohne Probleme umsetzen: Manager und Führungskräfte sollten Mitarbeiter für erfolgreiche Arbeit und abgeschlossene Projekte belohnen und loben. Auch ist es wichtig, weiterhin sinnvolle Aufgaben zu verteilen – und nicht Arbeit, um der Arbeit Willen, weil der Chef Angst hat, die Mitarbeiter könnten im Homeoffice vielleicht zu viel faulenzen. Chefs müssen in der derzeitigen Situation ihren Mitarbeitern ein größeres Vertrauen entgegenbringen. Kontrollwahn des Chefs kann die Arbeitsstimmung ebenfalls negativ beeinflussen. Natürlich sollte es Mitarbeitern möglich sein, weiterhin Urlaub zu machen, auch wenn Urlaub auf Balkonien oder im eigenen Wohnzimmer natürlich nicht das gleich ist. Es ist es trotzdem notwendig, Mitarbeitern die Möglichkeit zur Regeneration zu bieten.

Bei Weiterbildungsangeboten wird es schon etwas komplizierter. Gruppenschulungen vor Ort oder Wochenendseminare sind derzeit nicht möglich. Aber es gibt tatsächlich viele Onlineangebote, die es ermöglichen, sich weiterzubilden und sich weitere Fachkenntnisse anzueignen. Das reicht von Business-Schulungen bis hin zu Sprachkursen. Für die Motivation ist es zudem wichtig, dass Mitarbeiter das Gefühl haben, trotz Sondersituation noch an ihrer Karriere arbeiten zu können. Karriereplanung ist vielen wichtig und hier können Unternehmen gezielt unterstützen.

Arbeitsplatzsicherheit und Gesundheitsförderung sind ebenfalls komplizierte Themen. Unternehmen, die ihre Büros weiterhin für Mitarbeiter offenhalten, müssen entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen. Trennwände zwischen Arbeitsplätzen, mehr Platz durch reduzierte Anzahl an Schreibtischen und Maskenpflicht während der Arbeitszeit. Trotzdem lassen sich so Sorgen und Ängste vor gesundheitlichen Folgen nicht ganz beseitigen – schließlich sind die Nachrichten tagtäglich voll von schlechten Neuigkeiten. Einige Mitarbeiter fühlen sich zuhause besser und können sich in gewohnter, sicherer Umgebung besser konzentrieren, andere verabscheuen das Homeoffice. Da als Unternehmer eine entsprechende Balance zu finden und es allen recht zu machen, ist schwierig. Um so wichtiger ist die offene Kommunikation und das auch von Seiten der Mitarbeiter. Die sind ebenso in der Pflicht, wie ihre Chefs in der Krisensituation die eigenen Bedürfnisse und Ängste zu kommunizieren. Nur dann können Arbeitgeber entsprechend reagieren.

Die richtigen Mitarbeiter im Team: Berater können helfen

Viele Arbeitgeber stellen es Mitarbeitern inzwischen frei, ob sie von zuhause oder im Büro arbeiten möchten. Aber auch das kann für angespannte Stimmung sorgen. Stress und emotionale Anspannung können dazu führen, dass Mitarbeiter sich schwertun, Entscheidungen zu fällen. Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie mental eine regelrechte Blockade haben. Soll ich jetzt von zuhause arbeiten? Wie sieht das denn aus? Nachher wirke ich da faul? Ich würde ja gerne ins Büro gehen, aber wie mache ich das dann mit der Kinderbetreuung? Ich fühle mich nicht sicher. Oder auch: Ich habe keine Angst vor Corona, aber meine Kollegen machen alle so einen Stress… Auch hier ist eine offene Kommunikation wichtig. Es ist ok, zu sagen, dass man unsicher ist und sich nicht entscheiden kann. Führungskräfte sollten hier grundsätzlich ein Unternehmensklima schaffen, dass es ermöglicht, solche Dinge in Ruhe zu besprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Dafür kann es sinnvoll sein, sich gerade jetzt entsprechende Führungskräfte ins Team zu holen – insbesondere, wenn die Motivation der Mitarbeiter nachlässt. Ein guter Personalberater kann da vermitteln und helfen.

Sechs Wege Mitarbeiter zu motivieren – trotz Lockdown

Grundsätzlich ist es natürlich schwierig die Motivation aufrecht zu halten, wenn Teams nur noch auf Distanz zusammenarbeiten. Räumliche Distanz schafft auch immer emotionale Distanz und so lässt selbst bei Top-Performern irgendwann die Leistung nach, wenn die entsprechende Motivation fehlt. Folgende Schritte können zusammengefasst als Leitfaden dienen, um die Motivation der Mitarbeiter weiter aufrecht zu erhalten – vor allem im Homeoffice.

1. Routinen schaffen:

Gerade wenn Menschen von zuhause arbeiten, fällt es schwer, eine entsprechende Work-Life-Balance und eine gewisse Routine aufrecht zu erhalten. Die Grenze zwischen privat und beruflich verschwimmt. Die normale Gliederung des Tages – Weg zur Arbeit, Arbeit, Mittagspause, Arbeit, Rückweg nach Hause – fallen weg. Da kann es sich anfühlen, als würde die Arbeit sich in alle Lebensbereiche ausdehnen. Hier können Führungskräfte eingreifen und Anleitung geben: Sie können zu klaren Routinen und Pausen anregen und dazu, am Ende des Tages auch wirklich den Computer auszuschalten und nicht noch einmal die Emails zu checken.

2. Effektive Kommunikationskanäle einrichten:

Stimmt die Kommunikation, fühlen sich Mitarbeiter weniger isoliert und stärker Teil eines Teams. Sie brauchen ein klares Verständnis, was eigentlich von ihnen erwartet wird. Sie brauchen das Gefühl von Unterstützung. Fühlen sie sich allein gelassen, dann stört das die Motivation und beeinflusst die Arbeitsleistung negativ. Gerade Nachwuchs und neue Mitarbeiter brauchen entsprechende Unterstützung. Und das ist auf die Distanz besonders schwierig.

3. Erfolge feiern:

Geben sich Mitarbeiter viel Mühe, erfahren aber nie Anerkennung, dann ist das demotivierend. Lob ist daher wichtig – zum Beispiel während eines virtuellen Team-Meetings. Auch können Erfolge im Intranet erwähnt werden. Ein kleines Geschenk per Post kann großen Effekt haben.

4. Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung schaffen:

Mitarbeiter, die nicht die notwenigen Fähigkeiten haben – zum Beispiel Online- und IT-Skills – fühlen sich schnell überfordert und wer glaubt, die Karriere entwickelt sich nicht weiter, verliert ebenfalls Motivation. Entsprechende Weiterbildungen und Trainings können helfen. So können erfahrene Mitarbeiter in 1:1-Schulungen mit dem Nachwuchs zusammenarbeiten. Das sorgt dafür, dass beide sich entsprechend wertgeschätzt fühlen. Man könnte zum Beispiel eine Art Mentoren-Programm ins Leben rufen.

5. Den Teamzusammenhalt stärken:

Viele normale Aktivitäten, die helfen eine positive Beziehung zwischen Mitarbeitern zu etablieren, fallen weg – wie Unternehmensfeiern oder Ausflüge. Trotzdem können Unternehmen kleine Online-Treffen organisieren: Kaffeerunden, Pub-Quiz oder Treffen in Kleingruppen, um die normale Gesprächspause zu ersetzen. Aber Vorsicht: Ein Überangebot an Online-Treffen kann schnell nerven – vor allem, wenn nach dem dritten Skype-Anruf auch noch das „nette“ Online-Kaffeepäuschen ansteht, obwohl man eigentlich gerne einmal für fünf Minuten den Computer ausschalten möchte.

6. Psychische Gesundheit:

Unternehmen sollten darauf achten, dass es ihren Mitarbeitern auch mental gut geht. Dazu gehört es auch, die individuellen Schwierigkeiten anzuerkennen: Angst oder Anspannung, wenn man vor Ort im Büro arbeiten soll, die Tücken des Homeoffice (Kinderbetreuung, fehlender Platz, schlechte Internetverbindung) oder die grundsätzliche Unsicherheit, wie es mit dem Job weitergeht. Flexibilität und ein offenes Ohr sind hier wichtig. Im Ernstfall sollten Führungskräfte entsprechende Berater oder Psychologen vermitteln, die helfen mit der veränderten Situation umzugehen.

Zusammenfassend bedeutet das: Das neue „Normal“ ist noch nicht da und sich ständig auf neue Situationen einzustellen, ist schwierig. Fehlende Stabilität und räumliche Distanz lassen emotionale Bindungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bröckeln. Unternehmen sollten dementsprechend flexibel sein und ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Mitarbeiter haben. Mitarbeiter auf der anderen Seite sollten klar kommunizieren, sich mögliche Schwächen selbst eingestehen und auch ein bisschen Verständnis mitbringen, wenn auch die Chefs einmal mit der Situation zu kämpfen haben und nicht gleich die beste Lösung parat haben.