30.08.2021

New Way

Glücklich oder Neustart? Wege aus der beruflichen Unzufriedenheit

Anna hat lange Zeit in einem größeren Unternehmen gearbeitet und das häufig für ein Team, in dem nicht nur der Stress groß war: Die Teamleiter waren unorganisiert und der Chef cholerisch mit regelmäßigen Wutausbrüchen, die Stimmung im Team war durchgehend schlecht und obwohl das Problem im ganzen Unternehmen bekannt war, sah die Unternehmensführung sich nicht in der Verantwortung, das zu lösen. Jeder hatte sich irgendwie mit der negativen Arbeitssituation arrangiert. Die Kollegen untereinander tauschten sich oft darüber aus, der Krankenstand war hoch, aber keiner sah sich so richtig in der Lage, das Team zu verlassen. Der eine hatte Sorge, keinen neuen Job zu finden, der nächste glaubte noch immer daran, dass es ja vielleicht doch irgendwann besser wird. Anna merkte zunehmend, dass sie nicht nur auf der Arbeit unzufrieden war, sondern sich der Ärger auch auf ihr Privatleben auszuwirken begann. Sie hatte oft schlechte Laune, stritt sich mit dem Partner und war auch für Freunde nicht mehr so oft zu erreichen, weil sie schlichtweg zu kaputt und ausgelaugt war, um beispielsweise abends noch in ein Restaurant zu gehen. Irgendwann wurde es zu viel und sie kündigte.

Wenn man in seinem Beruf oder auch lediglich einem Projekt unzufrieden ist, dann ist oft die erste Reaktion, dass man sich bei Freunden oder auch Kollegen darüber auslässt und seinem Ärger Luft macht. Das ist in der Tat eine hilfreiche und heilende Reaktion, weil wir den Frust loslassen. Häufig folgen dann aufbauende Worte und Verständnis und danach fühlen wir uns besser. Das sollte aber nicht zum Dauerzustand werden, denn das tieferliegende Problem lässt sich so nicht lösen. Auch ist es nicht ganz fair gegenüber den Kollegen und Kolleginnen oder Freunden, denn durch das Jammern und Beklagen über den Job überträgt man den eigenen Stress und Ärger auf den Gesprächspartner. Das ist manchmal ok, kann aber zu viel werden, wenn das ständig passiert. Und es ist auch keine langfristige Lösung, wenn man ein paar Tage später schon wieder in genau der gleichen Situation steckt: der nächste Ärger, der immer wiederkehrende Frust und über lange Zeit hinweg eine tiefe Unzufriedenheit, die sich auch in andere Bereiche ausstreckt.

Wer in einer solchen Situation steckt, der hat laut der im Coaching beliebten LCL-Methode drei Möglichkeiten.

LCL steht für Love it, change it, leave it:

  1. Love it! Das heißt, man versucht das Positive und Gute in der Situation zu finden. Manchmal kann es hilfreich sein, die eigene Perspektive und Position noch einmal zu überdenken und zu schauen, ob das Gefühl der Unzufriedenheit tatsächlich am Job an sich liegt, oder ob es andere Gründe dafür gibt.

  2. Change it! Das heißt: Verändere die Situation, so dass sie den eigenen Wünschen und Erwartungen entspricht. Im Beruf kann es zum Beispiel hilfreich sein, dass man das Gespräch mit dem Chef sucht oder sich auf eine andere Position im gleichen Unternehmen bewirbt.

  3. Leave it! Wenn sich keine Alternative bietet, dann sollte man die Situation verlassen und sich – egal ob privat oder beruflich – neu orientieren. Das heißt: Wenn sich keine andere Lösung findet, dann sollte man sich in einem anderen Unternehmen bewerben oder einen komplett neuen Karriereschritt machen. Das kann so weit gehen, dass man sich beruflich komplett umorientiert, noch einmal eine Ausbildung oder ein Studium macht, oder sich zur Selbstständigkeit entschließt.

Gehen wir die drei Möglichkeiten einmal im Detail durch:

Love it! Oder: Neue Kreativität und Zufriedenheit im alten Job

Warum oder wann sollte man sich also zum „Love it“ und Bleiben entscheiden, wenn man bislang das Gefühl hatte, dass es im Job nicht gut läuft? Eigentlich ganz einfach: Zunächst einmal muss man sich das Problem genauer anschauen und sich mit den eigenen negativen Gefühlen befassen. Wo kommen dir her? Und warum ist das so? Und welche Konsequenzen hat eine Veränderung? Wenn man sich das Problem anschaut, kann man tatsächlich zu der Erkenntnis kommen, dass sich zum Beispiel eine Kündigung nicht positiv auf einen selbst, das Privatleben oder den Beruf auswirken würde. Vielleicht ist der Job einfach wahnsinnig gut bezahlt oder ein wichtiger Schritt, um in der Karriere voranzukommen – nur muss man dafür vielleicht noch 2-3 Jahre darin aushalten. Wenn man das erkennt, dann kann man sich auch mit schwierigen Situationen arrangieren und mit einem neuen Blickwinkel auf den eigenen Beruf gucken.

Manchmal ist unser Gehirn zudem ziemlich unfair und gemein und wir fahren uns in Gedankenstrukturen fest und beginnen Probleme zu sehen, wo eigentlich keine sind. Plötzlich sieht alles fürchterlich dramatisch aus, was einen vor ein paar Monaten noch gar nicht gestört hat. Solche Gedankenmuster gilt es zu durchbrechen.

Ein fiktionales Beispiel: Eine Mitarbeiterin im Verkauf beschwert sich ständig. Die Kunden sind zu anstrengend, die Kollegen helfen nicht genug, der Druck ist zu groß… Irgendwann im Urlaub und in einer ruhigen Minute beginnt sie darüber nachzudenken, warum der Job sie derzeit eigentlich so stresst und sie erinnert sich an diese eine sehr unangenehme Situation mit einem Kunden vor ein paar Monaten. Die Verhandlungen liefen schleppend, dann gab es Fehler im Vertrag und kurz vor der Unterzeichnung sprang der Kunde ab – und das in einer Situation, in der das Unternehmen finanziell ohnehin in einem Engpass steckte. Die Mitarbeiterin realisiert, dass ihr diese Erfahrung noch immer in den Knochen steckt. Es ist nicht ihr Beruf, der sie stresst, sondern die Angst davor, noch einmal in eine derartige Situation zu geraten. Für sie stellt sich nun also die Frage: Kann ich lernen, darüber hinwegzukommen und wieder Freude an meinem Job zu finden?

Eine positive Einstellung führt oft zu mehr Kreativität und neuen Ideen – und das wiederum schafft größere Zufriedenheit, weil man nicht länger gelangweilt oder verärgert ist. Tatsächlich kann die innere Einstellung beeinflussen, wie glücklich wir uns im Berufsalltag fühlen.

Change it! Unternehmen und Mitarbeiter finden eine neue Form der Partnerschaft

Merkt man in der Problemanalyse, dass die Situation aber völlig inakzeptabel ist, dann heißt es nach Veränderung zu streben. Das kann zum Beispiel ein Gespräch mit dem Chef sein. Man kann darin bestehende Probleme, das Arbeitsverhältnis oder die negative Stimmung im Team ansprechen. Es geht beim „Change“ also nicht darum, den Job zu wechseln, sondern das bestehende Arbeitsverhältnis so zu verändern, dass man wieder zufrieden ist. Nicht immer muss dabei das Unternehmen Schuld an der Unzufriedenheit sein. Diese kann beispielsweise auch auftreten, wenn sich die persönliche Situation des Arbeitnehmers ändert.

Ein weiteres fiktionales Beispiel: Ein Arbeitnehmer kommt aus der Elternzeit zurück und realisiert, dass die stressige Karriere, die ständigen Überstunden und Wochenendarbeit sich nicht mit der Familie vereinbaren lassen. Er möchte sich weiterhin zumindest einen Tag in der Woche und am Wochenende um die Tochter kümmern. Statt nun gleich ganz zu kündigen, entschließt er sich, das Gespräch mit dem Chef zu suchen und neue Arbeitszeiten auszuhandeln. Er reduziert auf eine 32 Stunden Woche und verzichtet dafür auf einen Teil seines Gehalts. Da das Unternehmen ohnehin Personalmangel hat, stellt der Chef eine neue Kollegin ein, die einen Teil seiner Aufgaben übernimmt. Die Veränderung im Unternehmen und die Anpassung des bisherigen Arbeitsverhältnisses waren hier also der richtige Schritt hin zu mehr Zufriedenheit im Beruf.

Leave it! Der Schritt in eine neue Karriere

Dann gibt es aber auch immer die Situation, wo das eigene Bedürfnis und die Ansprüche des alten Jobs einfach nicht mehr zusammengehen. Das muss nicht immer an einem schlechten Betriebsklima oder einem cholerischen Boss liegen. Menschen verändern sich und so entdecken wir manchmal im Laufe des Berufslebens, dass uns andere Dinge wichtiger geworden sind oder sich die Interessen verschoben haben.

Um dafür wiederum ein theoretisches Beispiel zu geben: Jemand arbeitet im Marketing und in der Kommunikation. Irgendwann entdeckt die Mitarbeiterin, dass sie in den vergangenen Monaten ein großes Interesse nicht nur für Soziale Netzwerke entwickelt hat, sondern vor allem für Videoinhalte. Ihr Unternehmen hat dafür aber keinerlei Bedarf und alle Vorschläge, die Kommunikationsstrategie via Instagram oder TikTok zu modernisieren, stoßen bei der Führungsebene auf taube Ohren. Nach monatelangem Hin und Her und stetig wachsender Unzufriedenheit, entschließt sich die Mitarbeiterin, dass es Zeit ist, den Job zu wechseln. Sie bewirbt sich bei mehreren Start-ups, die eine erfahrene Kommunikationsstrategin suchen. Sobald die richtige Stelle gefunden ist, wird sie ihren alten Job verlassen. Er bietet ihr einfach keine Zukunft mehr.

Raus aus der Opferrolle, rein ins Glück

Warum aber tun wir uns so schwer, einen dieser drei Schritte zu gehen, wenn wir im Beruf unzufrieden sind? Oft ist die Opferrolle recht bequem. Wir müssen keine Verantwortung dafür übernehmen, dass es schlecht läuft, schließlich weiß inzwischen jeder, wie miserabel das Team ist, wie schlecht die Arbeitsbedingungen. Es ist ein bisschen wie das Kind, dass sich an der Kasse schreiend auf den Boden schmeißt, weil es unbedingt ein Überraschungs-Ei will und Mama „Nein“ gesagt hat. Man beschwert sich lange, ausgiebig und immer wieder, in der Hoffnung, dass vielleicht irgendjemand darauf aufmerksam wird und etwas gegen die Missstände unternimmt – ohne dass man selbst aktiv werden muss. Es hat aber natürlich auch mit Angst und Unsicherheit zu tun. Wie reagiert der Chef, wenn man Änderungswünsche anspricht? Und ein Jobwechsel ist auch nie einfach. Wer sagt denn, dass es im nächsten Unternehmen besser läuft? Wer aber glücklich sein will, der muss lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen und gegebenenfalls die Risiken eines Neuanfangs eingehen. Das LCL-Schema kann dabei helfen, denn es gibt einem eine Struktur für den Denkprozess. Schritt 1: Kann ich meinen Job wieder lieben? Falls die Antwort „Nein“ ist, dann ist der 2. Schritt notwendig: Kann ich meinen Job so verändern, dass ich wieder glücklich bin? Und falls man daran ebenfalls scheitert, ist im 3. Schritt die Frage: Will ich meinen derzeitigen Job verlassen? Und was will ich als nächstes machen? Das gleiche funktioniert übrigens nicht nur für den Beruf, sondern auch im Privatleben.

Mehr zu den Themen „Jobwechsel“ und „Glücklich sein“ finden Sie in unserem Blogarchiv.

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