22.12.2021

Recruiting-Trends 2021/22 – ein Rück- und Ausblick

Das Jahr 2021 war – mal wieder – etwas untypisch und die Art, wie wir arbeiten, war weiterhin geprägt von den Wellen einer globalen Pandemie. Dennoch lassen sich einige Trends ausmachen, die die Arbeitswelt auch in Zukunft prägen werden. Was also hat sich in diesem Jahr am Arbeitsmarkt verändert?

„Der Fachkräftemangel hat sich deutlich verstärkt“, sagt Lino von Noppen, der als Senior Consultant bei head for work arbeitet. Gleichzeitig aber seien Kandidat*innen weniger wechselwillig und das hängt stark mit der Corona-Pandemie zusammen. Es herrsche eine generelle Unsicherheit am Markt, sagt der Berater. „Deshalb entscheiden sich die meisten für das bekannte Übel, anstatt eine Besserung anzustreben.“ Eine Festanstellung bietet nun einmal finanzielle Sicherheit, die im neuen Job nicht garantiert ist. Immerhin gelten beispielsweise in der Probezeit andere Kündigungsfristen: Beide Seiten können das Arbeitsverhältnis mit einer Kündigungsfrist von gerade einmal zwei Wochen beenden. Katrin steht beispielsweise vor genau diesem Problem. Sie arbeitet in einem kleinen Pharmaunternehmen und steckt seit längerem in der Karriere fest. Eigentlich wollte sie sich schon 2020 auf eine neue Stelle bewerben, hat das aber immer wieder aufgeschoben, weil ihr ein Jobwechsel angesichts der Corona-Pandemie zu unsicher erschien. Auch in diesem Jahr war das nicht anders. Sie hat die berufliche Zufriedenheit vorerst gegen die finanzielle Sicherheit eingetauscht.

Unternehmen müssen Mitarbeiter (m/w/d) und Kandidaten (m/w/d) mehr bieten

Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt, der darüber hinaus von einem Generationswechsel betroffen ist. „Der Markt ist zunehmend schwieriger geworden“, sagt Senior Consultant Ziya Sahin. „Es gibt viele Vakanzen, aber weniger Kandidat(m/w/d), beziehungsweise wechselwillige Kandidat(m/w/d).“ Das hat auf der anderen Seite den Effekt, dass sich Unternehmen immer stärker bewusstwerden, dass sie ihren Mitarbeitern mehr bieten müssen, um sie an sich zu binden. „Der Markt wimmelt nämlich von Arbeitgebern, die immer einen Schritt voraus sind und immer mehr Flexibilität, attraktive Benefits und letztendlich auch mehr Gehalt anbieten“, sagt Ziya Sahin aus seiner Erfahrung als Berater. „Wenn man also mithalten möchte und keine Mitarbeiter verlieren will, muss man mitziehen und mehr in Mitarbeiter investieren.“ Diese Erfahrung hat Hannas letzter Arbeitgeber gemacht. Hanna arbeitete bislang im Bildungssektor, hatte aber nur einen befristeten Vertrag. Zwar gab es immer wieder Versprechungen, dass der Vertrag definitiv erneuert werde, das zog sich aber über Wochen, schließlich Monate hin. Als das Angebot vom alten Arbeitgeber endlich kam, hatte Hanna bereits das Angebot eines Privatunternehmens angenommen: ein dauerhafter Vertrag mit besserer Bezahlung. Hätte ihr alter Arbeitgeber nicht so lange gezögert, wäre sie gar nicht auf die Idee gekommen, sich anderweitig zu bewerben.

Auch die Bewerbungsverfahren und wie Unternehmen neue Mitarbeiter gewinnen können, haben sich 2021 verändert. „Meiner Meinung nach wird der Wandel im Bewerbermarkt immer deutlicher“, sagt Senior Consultant Sabine Erzmoneit. Die Bewerbungen über die großen Bewerbungsportale seien deutlich zurück gegangen. „Die Kandidaten (m/w/d) warten quasi darauf, dass sie angesprochen werden. Nur Kandidaten (m/w/d), die wirklich sehr unzufrieden sind, suchen aktuell selbst.“ Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen potentielle Kandidaten (m/w/d) aktiv von sich überzeugen und nicht einfach auf Bewerber (m/w/d) warten. Es sei wichtig gute Bewerber (m/w/d) und Kandidaten (m/w/d) durch eine „strukturierte und schnelle Prozesssteuerung zu überzeugen“, sagt head for work Manager Christoph Enzenmüller. Wer Bewerbungsverfahren zu kompliziert macht, der hat schon verloren. „Es wird wichtiger, die Barrieren innerhalb des Bewerbungsprozesses aufzulösen. Wer möchte schon 10 Felder manuell ausfüllen, den Lebenslauf hochladen und separat noch weitere Fragen beantworten?“ sagt Sabine Erzmoneit.

Bewerbungstrends für 2022: Die Zukunft ist digital

„Sicherlich werden sich Arbeitgeber noch positiver am Markt positionieren können“, sagt Enzenmüller über die Trends für 2022. Doch was können Kandidaten (m/w/d) und Unternehmen 2022 noch erwarten? Was verändert sich am Arbeits- und Bewerbungsmarkt? Ganz klar: Schlankere und digitale Bewerbungsprozesse, um Kandidaten (m/w/d)für sich zu gewinnen, sagt Lino von Noppen über die Bewerbungsverfahren der Zukunft. „Ein möglicher Trend, welcher aber vermutlich noch nicht 2022 einsetzt, sind Virtual Reality Gespräche.“

Der Trend zur weiteren Digitalisierung hängt unter anderem damit zusammen, dass viele Arbeitnehmer auch in Zukunft nicht unbedingt vor Ort arbeiten, sondern im Homeoffice. „Dieser Trend entwickelt sich langsam zur Normalität, so dass dies für viele Kandidaten (m/w/d) zum Kriterium oder Standard geworden ist“, sagt Ziya Sahin. „Unternehmen, die unflexibel sind, werden nicht mehr als modern betrachtet. Aus Sicht der Arbeitnehmer hat ein Unternehmen mit starren Arbeitszeiten und wenig Flexibilität nicht die Fähigkeit, seinen Mitarbeitern Vertrauen zu schenken.“ Darüber hinaus verstärke sich der Trend zum Remote Working (zum Remote Blog)„Damit ist nicht das Homeoffice gemeint, sondern, dass man seinen Lebensmittelpunkt für eine bestimmte Zeit auch beispielsweise ins Ausland verlagern kann und trotzdem seinem Job nachgehen kannn“, erklärt der Berater. Immer mehr Arbeitnehmer*innen äußerten inzwischen diesen Wunsch. „Manchmal möchte man einfach dem schlechten Wetter oder dem gewohnten Umfeld entfliehen, um sich neu aufzustellen, die Gedanken zu sortieren usw.“

Mehr Flexibilität! Unternehmen unter Zugzwang

Flexibilität spielt auch in einem anderen Bereich eine große Rolle, nämlich in der Familienplanung. Das betrifft nicht nur weibliche Arbeitnehmerinnen: Immer mehr Väter wollen beispielsweise die Elternzeit in Anspruch nehmen. „Hier erwartet man Verständnis und Flexibilität vom Arbeitgeber. Ist dies nicht der Fall, entspricht das keinem modernen Unternehmen“, sagt Senior Consultant Ziya Sahin. „Die Unternehmen geraten also immer mehr unter Zugzwang, da sonst qualifizierte und schwer zu ersetzende Kandidat*innen schneller weg sein können als gedacht.“

Der Markt werde sich in Zukunft noch stärker verändern, sagt Sabine Erzmoneit, und das wirke sich auch auf die Arbeit von Recruitern und Personalberatern aus. „ Der Kandidatenmarkt wird noch enger, sodass es gerade in Überschneidungspunkte wie dem Active Sourcing sinnvoll ist, sich auszutauschen. Qualifizierte Kandidat*innen werden aktuell schon fast überrannt mit Anfragen“, sagt sie. Beratende müssten sich daher in der Ansprache besser aufstellen und neue Wege finden, Kandidaten (m/w/d) anzusprechen. „Ich denke, dass die Außenpräsenz der eigenen Marke sowohl in Unternehmen als auch in der Personalberatung zunehmen wird und Kandidaten (m/w/d) zukünftig noch stärker selektieren werden, mit wem sie sich austauschen möchten“, sagt Sabine Erzmoneit über ihr eigenes Arbeitsgebiet. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie zeigen müssen, welche Werte sie eigentlich vertreten und welche Vorteile sie potentiellen Kandidaten (m/w/d) bieten. Nur so können sie bei der Kandidaten (m/w/d) suche auch 2022 wettbewerbsfähig bleiben.