10.03.2020

Social Media als Karrierefalle?

Das Internet als Privatarchiv für Fehltritte, Karrierebrüche – und längst vergessene Erfolge

Mitte der 2000er fing es in Deutschland mit StudiVZ oder myspace an – lange bevor alle zu Facebook wechselten. Die Warnungen sind dabei so alt wie Social Media an sich: Seid bloß vorsichtig, was ihr da rein stellt. Das könnte ja der spätere Arbeitgeber sehen. Oder der Uni-Professor. Ein peinliches Partybild und die Karriere ist vorbei!

Für voll genommen haben wir derartige Warnungen damals alle nicht. Die „Erwachsenen“, das war schnell klar, hatten von Social Media sowieso keine Ahnung, Personalabteilungen waren längst noch nicht so ausgefuchst wie heute und die wirklich privaten Sachen passierten ohnehin in privaten Gruppenchats oder auch gerne unter einem Online-Pseudonym.

Die damals 20-Jährigen sind heute Mitte 30 oder Anfang 40, sind also mit den Warnungen von Lehrern, Professoren oder Berufsberatern groß geworden und das spiegelt sich oft genug in den Social Media Profilen. Entweder sind diese auf privat gestellt, was zumindest einen groben Schutz gegen Schnüffelei des aktuellen oder zukünftigen Arbeitgebers verspricht, oder die Einträge sind ganz bewusst gewählt: So wie ich nutzen viele Social Media halb-beruflich, um zum Beispiel auf Twitter die eigene Arbeit zu promoten und Freunde und Kollegen auf Facebook über neue Projekte und Ideen zu informieren. Private Details sind da oft nur die persönliche Note, die ein Social Media Profil authentisch machen, ohne zu viel über das eigentliche Privatleben zu verraten. Kurz: Wenn wir ehrlich sind, überlegen wir doch sehr genau, was wir wann und wo an wen verbreiten.

Schaue ich auf meinen Facebook-Freundeskreis – ohnehin heute eher ein „Oldie“-Treff – dann ist es eher die Altersgruppe 50+, die durch private Party-Posts und Urlaubsfotos auf sich aufmerksam macht, eben genau jene Altersgruppe, die nicht seit Teenagerzeiten mit der kontinuierlichen Warnung „Wenn das der Arbeitgeber sieht“ aufgewachsen sind. Die Warner von damals, sind heute die Schlimmsten.

Was aber dennoch viele vergessen: Social Media ist nicht die einzige Falle in den Untiefen des World Wide Webs. Das Internet vergisst nichts und wer seine Suche über die ersten drei Seiten Trefferliste bei Google hinaus ausdehnt, ist überrascht, was sich so alles im Internet findet. Irgendwo schlummert zum Beispiel noch mein alter Flickr-Account, den ich seit Jahren nicht mehr benutzt habe und für den ich nicht einmal mehr das Passwort kenne. Meine Fotos aus Südafrika machen da aber immer noch ihre Runde und finden sich inzwischen auch mehrfach auf Pinterest. Nach dem Copyright hat da natürlich niemand gefragt. Was dieses Beispiel aber vor allem zeigt: Informationen, die einmal im Internet stehen, lassen sich nur schwer kontrollieren. Und das eben nicht nur auf Social Media Seiten.

Mit Freunden habe ich schon manches Mal Wetten abgeschlossen: Das private Facebook-Profil eines bekannten Schauspielers, das angeblich existiert? Kein Problem. Zwei Tage später hatte ich den Link. Klappt auch mit Privatadressen.

Nehmen wir einmal ein ganz anderes Beispiel: Ein gut gebildeter Akademiker entschließt sich, alle Social Media Profile zu löschen – unter anderem wegen Facebooks schlechter Datenschutzpolitik und weil es inzwischen bekannt ist, dass Unternehmen derartige Profile überprüfen. Vermeintliche Datensicherheit ist in Zeiten des Internets aber oft eine große Illusion. Mit der Kombination der richtigen Schlagworte und Quersuche über die einfache Suchmaschinen-Anfragen hinaus, lassen sich innerhalb nur einer halben Stunde ziemlich persönliche Informationen finden: die derzeitige genaue Job-Position, die aktuelle Privatadresse und sogar das ungefähre Gehalt – das Unternehmen hat die Stellenausschreibung nie gelöscht, auf die sich die Person damals beworben hatte.

Wer dazu noch die Namen von Familienangehörigen oder Freunden kennt, findet die Person schließlich doch auf einigen Social Media Fotos auf Instagram oder Facebook.

Das klingt erst einmal alles sehr schrecklich, hat aber auch positive Seiten. Denn das Internet vergisst auch die positiven Erlebnisse und Berichte nicht. Für mich sind das alte Artikel oder Radiobeiträge, die ich schon fast vergessen hatte, alte Projekte und Blogfotos, die zeigen, wie lange ich eigentlich schon in diesen Bereichen tätig bin. Für andere sind es vielleicht gewonnene Preise, Zeitungsartikel über ein erfolgreiches Projekt oder neues Produkt, das Social Media Foto des ersten Arbeitgebers – noch ganz jung und glücklich im Kreise der Kollegen. Sollte sich eine Personalabteilung also tatsächlich auf eine intensive Suche begeben, dann kann das langwährende Gedächtnis des Internets in diesen Fällen einen Vorteil haben. Wer sich darüber hinaus politisch engagiert, sollte sich allerdings bewusst sein: Auch das spielt inzwischen für Personalabteilungen eine Rolle. In einer Studie von 2018 gaben 16% der Personaler an, auch auf die politische Gesinnung des Kandidaten zu schauen.

Wer sich nicht ganz sicher ist, was so alles im Internet kursiert, sollte einmal auf die Suche gehen. Ego-Googlen nennt sich das. Ich habe gerade ein Bild meines selbstrenovierten Schreibtisches auf einem Heimwerker-Blog gefunden, eine andere Person mit meinem Namen, die ich nicht kenne, und – da mein Nachname auch ein Ortsname ist – natürlich auch die eine oder andere Ortsveranstaltung, die so gar nichts mit mir zu tun hat.

Wichtig ist, nicht nur auf den ersten Seiten bei Google zu schauen. Auch ausgelassene Suchergebnisse sollte man sich anzeigen lassen und möglichst verschiedene Suchmaschinen bzw. Meta-Suchmaschinen nutzen. Wer unerwartete Infos zur eigenen Person auf einer Webseite findet, sollte auch Verlinkungen folgen. So stößt man oft auf weitere unerwartete Details. Zudem kann es sinnvoll sein, die Suche durch weitere Schlagworte zu erweitern, zum Beispiel Name + Beruf, Name + Wohnort, Name + Hobby...

Und auch die Profile von Freunden nicht vergessen!

Autorin: J. Holzhausen