17.11.2021

Zukunft

Ungewisse Zukunft?

Die Motivation leidet unter Klimawandel und Leistungsdruck

Stress und konstanter Druck gehört heute zum Schulalltag dazu. „Tagtäglich“ sagt die 14-jährige Lara, „vor allem, weil jede/r Lehrer/in ein anderes System hat und auf andere Sachen achtet“. Darüber hinaus machen sich viele Schüler selbst zusätzlichen Leistungsdruck: „Unter meinen Mitschüler/-inne habe ich manchmal sogar das Gefühl in einem Konkurrenzkampf zu sein, da in meinem Umfeld oft darüber diskutiert wird, wer Klassenbeste/r, Lehrerliebling ist oder wer die 5 hat, die beim Klassenspiegel an die Tafel geschrieben wird.“ Für manche Mitschüler/-innen ist eine 2 als Note schon nicht mehr zufriedenstellend. Das überträgt sich dann negativ auch auf andere Mitschüler/-innen, sagt Lara, „wenn da einer mit einer 3 sitzt und der Schüler mit einer 2 erzählt dann, wie dolle er die Arbeit verbockt hat“.

Doch es sind nicht nur der Leistungsdruck und der Konkurrenzkampf untereinander, die sich häufig negativ auf die psychische Gesundheit und die Motivation von Schüler/-innen und damit den beruflichen Nachwuchs auswirken. „Ich kenne ein paar die Zukunftsängste haben. Die meisten wissen aber noch nicht was sie machen wollen und was sie erreichen wollen. Sie wollen alle ihr Abi schaffen, gute Noten schreiben, Erfolg haben, aber wissen nicht, wie sie dahin kommen sollen“, sagt die 14-jährige Lara, die derzeit in der Mittelschule ist. Neben der Berufswahl, spielt ein anderer Faktor eine große Rolle für die Unsicherheit, die laut Studien viele Schüler/-innen gerade zum Ende der Schulzeit empfinden: Wie wird sich zum Beispiel der Klimawandel auf unser zukünftiges Leben auswirken? Und macht es angesichts dieser Unsicherheit überhaupt noch Sinn, in eine Karriere zu investieren?

Öko-Angst: Die Furcht vor einem Ende der Welt, wie wir sie kennen

Rund die Hälfte der jungen Leute weltweit glaubt tatsächlich, dass die Menschheit zum Scheitern verurteilt ist. Eco-Anxiety, oder Öko-Angst, spielt dabei eine große Rolle, was angesichts des Klimawandels kaum verwunderlich ist. Man denke nur an die Überflutungen im Sommer 2021 oder die Waldbrände in den USA und Australien: Derartige Naturkatastrophen werden mit der Klimaerwärmung wahrscheinlicher und Kinder und Jugendliche sind direkt davon betroffen. „The eyes of all future generations are upon you, and if you choose to fail us, I say, we will never forgive you”, sagte Klimaaktivistin Greta Thunberg 2019 vor der UN und sprach damit aus, was vielen Kindern und Jugendlichen Sorge bereitet. Eine Studie aus Bath hat beispielsweise 10.000 Kinder und junge Leute im Alter von 16-25 aus Australien, den USA, Nigeria, Indien, den Philippinen, Finnland, Portugal, Brasilien und Frankreich zu diesem Thema befragt. Dreiviertel beschrieben die die Zukunft als beängstigend und 60 Prozent sagten, dass die derzeitigen Regierungen zukünftige Generationen verraten würden. Jugendliche aus dem globalen Süden drückten dabei die größten Sorgen aus – immerhin sind diese Regionen weitaus stärker vom Klimawandel bedroht, als zum Beispiel Europa. Quelle Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine Studie des Englischen Royal College of Psychiatrists im November 2020: Die Klimakrise habe einen negativen Einfluss auf die Emotionen von Kindern. 40 Prozent seien zum Beispiel eher zurückhaltend, selbst eine Familie mit Kindern zu gründen. Auch hier zeigte sich: Was den Kindern am meisten Angst macht, ist das derzeitige Versagen der Erwachsenen und die herablassende Haltung, mir der viele Erwachsene den Sorgen der Kindern begegnen. Einige werden sich sicher daran erinnern, wie zum Teil die Presse und gestandene Herren in den sozialen Netzwerken auf die Fridays for Future Bewegung reagierten. Die 14-jährige Lara und ihre Freunde beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema, haben sich aber einen positiven Ausblick bewahrt: „Eigentlich reden wir nicht über den Klimawandel und seine Folgen, sondern wie man ihn stoppen muss“, sagt sie.

Die Klimakrise hat negative Folgen für die psychische Gesundheit

Experten warnen aber inzwischen, dass die Klimakrise auch eine Krise der psychischen Gesundheit ist, auch wenn es dazu in Deutschland bislang noch nicht sehr viele detaillierte Studien gibt. So schreibt das Ärzteblatt, dass der Klimawandel und der damit verbundene Aktivismus weitestgehend negative Emotionen auslösten, zum Beispiel Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit, weil man persönlich an der Situation nichts ändern kann, gefolgt von Hoffnungslosigkeit und Angst, weil man sich Szenarien ausmalt, in denen der Klimawandel in eine ökologische Katastrophe führt, bei denen die bestehenden Öko- und Sozialsysteme zerstört werden. Ärger, Frustration aber auch Schuldgefühle gehören ebenfalls dazu, denn oft genug wissen wir zwar genau über die Klimafolgen Bescheid, machen aber trotzdem eine Fernreise oder kaufen ein neues Auto. Wer in seine eigene Zukunft schaut und sich diese aufgrund des Klimawandels einfach nicht mehr positiv vorstellen kann, der leidet unter Zukunftsverdrossenheit. Quelle

Derartige Zukunftsverdrossenheit hat bei Kindern und Jugendlichen ganz konkrete Folgen. „Warum soll ich mich in der Schule überhaupt anstrengen, es macht doch eh keinen Unterschied“, sagt zum Beispiel Hannah. Sie ist 15 Jahre alt, hat Schwierigkeiten, sich in der Schule zu konzentrieren und nimmt inzwischen Medikamente gegen Depressionen. Schaut sie in die Zukunft, dann fehlt ihr die Motivation, sich um einen guten Schulabschluss zu bemühen. „Es geht doch alles nur noch ums Geld“, sagt sie und Frustration schwingt in der Stimme mit. Sie hat keine Idee, was sie in Zukunft beruflich machen möchte und die innere Gewissheit, dass die Welt ohnehin den Bach runter geht und für sie aufgrund von Klimawandel, Pandemie und weltweiter Krisen nichts mehr fest planbar ist, macht es für sie umso schwerer, Motivation für Schule und Ausbildung zu finden.

Sorge um die eigenen Berufschancen: Wie sieht die Zukunft aus?

Tatsächlich sorgen sich laut eines Artikels in Business Insider im März 2021 immer mehr Schülerinnen und Schüler um ihre Berufschancen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Anzahl der pessimistischen Schüler weiter gestiegen, vor allem bei den Mädchen. Das Magazin bezieht sich dabei auf eine Studie des Trendence Instituts, das jeden Monat Menschen zu verschiedenen Themen befragt. 58 Prozent der befragten Schüler*innen zweifelten demzufolge Anfang des Jahres an den eigenen Berufschancen, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Corona Pandemie spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Mädchen zeigten sich mit 65 Prozent pessimistischer als die Jungs (50%). Junge Menschen gehen also oft bereits verunsichert in den Arbeitsmarkt.

Lara ist somit fast schon eine Ausnahme: „Ich blicke eher positiv in meine berufliche Zukunft, da ich meine Ziele immer vor Augen halte.“ Derzeit liebäugelt die 14-jährige Schülerin mit einer Zukunft als Journalistin oder Anwältin. Wie positiv ihre Mitschüler die Zukunft einschätzten, sei ganz unterschiedlich und hänge oft davon ab, wie gut sie in der Schule zurechtkommen oder wie gut das generelle mentale Wohlbefinden ist. Grundsätzlich sieht Lara das Thema Berufswahl noch recht locker: „Ich bin der Meinung, dass man das Berufsleben in der Zukunft als Mittelschüler noch nicht so krass planen muss, da sich die Ziele auch sehr schnell ändern können. Man sollte nur wissen in welche Richtung man zum jetzigen Zeitpunkt gehen würde. Man kann nicht für die Zukunft sprechen.“

Wie erleben Ihre Kinder, Neffen, Nichten, Freunde das Thema Zukunftsplanung? Wir freuen uns über Feedback in unseren Social-Media-Kanälen, zum Beispiel auf Instagram.