Generation Z als Arbeitnehmer*innen

Generation Z als Arbeitnehmer*innen

Generation Z

Lieber arbeitslos als einen Job, der nicht glücklich macht. So könnte man die Generation Z als Arbeitnehmer*innen beschreiben – glaubt man zumindest einem Artikel des Business Insider aus dem April 2022. Junge Menschen wollen eine Arbeit, die nicht nur ihre Rechnungen zahlt, sondern auch persönlich zu ihnen passt. Zu den Faktoren, die für die Wahl des Arbeitsplatzes eine Rolle spielen, gehören für die Generation Z beispielsweise die Vereinbarkeit der Arbeit mit dem Privatleben, Arbeitsplatzsicherheit, Flexibilität und vielfältige Arbeitsaufgaben, aber auch dass sie das Unternehmen als fortschrittlich und digital versiert wahrnehmen. Sie wollen sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können. Dazu gehört es auch, dass Unternehmen ihren sozialen und ökologischen Ansichten entsprechen. Wichtigster Faktor aber ist eine gute Bezahlung. Das klingt erst einmal nach einer langen, aber auch recht oberflächlichen Liste. Was also erwartet die Generation Z konkret von ihrer beruflichen Zukunft und wie können sich Unternehmen darauf einstellen?

Der Arbeitsmarkt braucht die Generation Z

Vielen Unternehmen fällt es bereits schwer, Arbeitnehmer*innen der Generation Z für sich zu gewinnen und oft stehen sie recht ratlos vor diesem Problem. Angesichts des Generationenwechsels und des zunehmenden Fachkräftemangels sind Arbeitnehmer*innen in einer stärkeren Position und können bei der Jobsuche wählerisch sein – vor zehn Jahren wäre das so noch nicht der Fall gewesen. Tatsächlich braucht der Arbeitsmarkt die Generation Z, die laut Forbes bald die größte und diverseste Gruppe unter den Arbeitnehmern sein wird. 2025 wird die sogenannte Gen Z, geboren zwischen etwa 1997 und den frühen 2010ern, etwa 27% der Arbeitskräfte und ein Drittel der Weltbevölkerung ausmachen.

Der Eintritt der Generation Z in den Arbeitsmarkt habe dazu geführt, dass sich der soziale Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer*innen verschoben habe, schreiben die Business Experten – mit den oben kurz beschriebenen Erwartungen an den Arbeitsplatz. Innovative Unternehmen haben das erkannt und achten zum Beispiel verstärkt auf Faktoren wie die mentale Gesundheit ihrer jungen Arbeitnehmer*innen. Die Generation Z gelangt nämlich in einer Situation in den Arbeitsmarkt, die unter anderem von wachsender Inflation und einer Krise auf dem Wohnungsmarkt beeinflusst ist. Zudem haben viele der jungen und zukünftigen Arbeitnehmer bereits einschneidende und manchmal traumatische Ereignisse miterlebt – von der weltweiten Pandemie zum Krieg in der Ukraine, von MeToo bis Black Lives Matter – und angesichts der drohenden Folgen des Klimawandels sieht auch die Zukunft nicht gerade rosig aus. Laut einer Studie von Deloitte unterliegt die Gen Z unverhältnismäßig hohem Stress und Angstzuständen. Fast die Hälfte sei davon betroffen, Frauen mehr als Männer.

Das erwartet die Generation Z vom Arbeitgeber

All das hat bei vielen das Bewusstsein und den Blick auf die Welt geprägt, unter anderem auch, wie sie den Arbeitsmarkt und Unternehmen wahrnehmen. Die Generation Z bevorzugt neben flexibler Arbeit, gemeinsamen Werte und höherer Bezahlung auch eine gute Unterstützung hinsichtlich ihrer psychischen Gesundheit. Noch immer existiert bei Themen wie Depression und Panikattacken ein Stigma. Wenn Unternehmen ein Klima erzeugen, das Arbeitsnehmer*innen das Gefühl gibt, dass sie nicht über diese Themen reden können, dann sorgt das bei ihnen oft für Unwohlsein und gegebenenfalls einer Ablehnung des Arbeitsplatzes. Unternehmen, die hingegen eine entsprechende Unterstützung bieten, haben einen klaren Vorteil, da sie so auch eine Wertschätzung gegenüber den Arbeitnehmer*innen ausdrücken – und das ist etwas, was die Generation Z erwartet. Sie sucht sich die entsprechenden Arbeitgeber gezielt aus und ist auch bereit den Job zu wechseln, entspricht er nicht ihren Ansprüchen.

Forbes macht vier Kernpunkte aus, die für die Generation Z entscheidend sind: Neben der Unterstützung hinsichtlich ihrer psychischen Gesundheit gehört dazu die Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsplatzes, beispielsweise Remote Work oder Hybrid-Arbeit. Ein Großteil der Generation Z erwartet flexible Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle, immerhin sind die Mitglieder der Generation Z „Digital Natives“: Sie sind mit dem Internet aufgewachsen und leben mit und auf dem Smartphone. Hier hat sicherlich auch die Pandemie eine Rolle gespielt, denn wer seit 2020 in den Beruf eingestiegen ist, der tat das oft aus dem Homeoffice und hat sich entsprechend an die Arbeitsplatzsituation gewöhnt – mit all den damit verbundenen Vor- und Nachteilen. So gibt es im Homeoffice meist weniger Ablenkung und damit weniger Stressfaktoren, dafür fehlt der direkte Kontakt zu den Kollegen.

Auch wenn natürlich nicht jeder Arbeitnehmer oder jede Arbeitnehmerin gleich ist, so ist ein Kernmerkmal der Generation Z, dass sie klare Werte hat. Dazu gehören Faktoren wie Diversität, soziale und ökologische Gerechtigkeit und Inklusion. Das sollte sich nicht nur in den Unternehmenswerten widerspiegeln, sondern auch in den Unternehmensstrukturen und auf der Führungsebene. Um es etwas vereinfacht auszudrücken: Steht an der Spitze des Unternehmens ein weißer Altherren-Club, dann kommt das bei der Generation Z nicht gerade gut an. Die Generation Z ist da sehr viel kompromissloser als Millennials, die bereit waren, Abstriche hinzunehmen, um für eine Marke zu arbeiten, die sie als Konsumenten bewunderten. Prestige stand über Werten. Das ist nicht länger der Fall. Das soll nicht heißen, dass Millennials weniger hohe Werte haben. Im Gegenteil: Von ihren Werten unterscheiden sich die Generation Z und Millennials kaum, nur ist die Generation Z eher bereit nach diesen Werten zu handeln und sie anderen Faktoren voranzustellen. Das ist neu für Unternehmen, sie sich vielleicht daran gewöhnt haben, dass Arbeitnehmer*innen auch Dinge schlucken, die ihren persönlichen Werten entgegenstehen. Wer sich als Unternehmen bestimmten Werten wie Nachhaltigkeit verschreibt, der kann damit rechnen, dass die Generation Z das dann auch einfordert.

Der vierte Faktor ist ebenfalls nicht neu: Die Generation Z erwartet Weiterbildungschancen, sie will wachsen und lernen. Daher haben Unternehmen eine bessere Chance, junge Arbeitnehmer zu gewinnen, wenn sie entsprechende Trainings- und Fortbildungsmöglichkeiten bieten, von denen alle Mitarbeiter*innen profitieren können. Das können interne Schulungen sein oder die Möglichkeit an externen Kursen und Seminaren teilzunehmen.

Wo sich aber eine klare Verschiebung zeigt, ist hinsichtlich des Werts, den Arbeitnehmer*innen der Bezahlung zumessen. Waren für Millennials noch die Karriere- und Aufstiegschancen der entscheidende Faktor, spielt laut einer Studie aus Amerika die Bezahlung für die Generation Z eine weitaus größere Rolle. 77% Prozent der Universitätsstudenten gaben an, dass die Bezahlung für sie der entscheidende Faktor für einen Job ist, während 2011 Studenten noch die Karrierechancen und die persönliche Entwicklung als die wichtigsten Faktoren einstuften.

Wertewandel und neue Dynamiken

All das zeugt von einem kompletten Wertewandel am Arbeitsmarkt. Nicht umsonst schrieb die BBC über die Gen Z unter dem Titel „Die Arbeitnehmer, die alles wollen“. Lange Zeit galt in unserer Gesellschaft das Motto: Wer viel schafft und hart für seinen Arbeitgeber arbeitet, der wird am Ende belohnt – sei es durch bessere Bezahlung oder ein einen Aufstieg im Unternehmen. Arbeit um der Arbeit willen war Teil dieser Philosophie. Das geht bereits auf die protestantische Arbeitsethik zurück, die Arbeit als eine Pflicht sieht, den Mittelpunkt des Lebens, um den sich alles andere drehen muss. Dem widersetzt sich die Generation Z, nicht zuletzt, weil sie bei ihren Eltern oder älteren Geschwistern die Nachteile des karrieregetriebenen Arbeitsmarktes beobachten konnten: Burnout bei zeitgleicher ökonomischer Unsicherheit waren und sind an der Tagesordnung. Da sie angesichts des Fachkräftemangels die Wahl haben, stellen die Arbeitnehmer*innen der Generation Z entsprechend neue Forderungen – von besserer Bezahlung bis hin zu einer guten Work-Life-Balance. Die Generation Z hat von den Fehlern und Problemen ihrer Vorgänger gelernt.

Ist das für Unternehmen aber tatsächlich negativ? Nicht unbedingt. Oft genug sieht sich die Generation Z dem Vorwurf ausgesetzt, sie sei zu anspruchsvoll oder gar antikapitalistisch, dabei ist sie sehr wohl gewillt, hart für den Arbeitgeber zu arbeiten – wenn Unternehmen ihnen entsprechende Gegenleistungen bieten und sie nicht als selbstverständlich hinnehmen.

Menschlichkeit als Kernfaktor

Unternehmen sollten sich immer bewusst sein: Keine Generation zuvor war so schnell bereit, den Job zu wechseln, wenn sie mit ihrer Arbeit unzufrieden ist. Das haben verschiedene Studien ergeben, wie beispielsweise die BBC jüngst gezeigt hat. 

 

Um das ganze zusammenzufassen: Ein wichtiger Faktor neben dem Gehalt ist die Menschlichkeit, die Verbindung zu Kollegen und Vorgesetzten und ein Arbeitsklima, das sich von dem unterscheidet, was vielleicht noch vor zehn oder 15 Jahren üblich war. Wer den Arbeitsplatz nur als Profitmaschine sieht, der hat bei der Generation Z schlechte Chancen und je mehr Unternehmen auf Fachkräfte angewiesen sind, desto größer wird die Macht der Arbeitnehmer*innen. Abwarten und Tee trinken wird für Unternehmen nicht funktionieren. Was sollten Führungskräfte also tun, wenn es ihnen nicht gelingt, die Generation Z zu rekrutieren? Fragen stellen und zuhören kann ein erster Schritt sein, denn es gibt jungen Arbeitnehmer*innen das Gefühl gehört zu werden, das Gefühl, dass man sie und ihre Ansprüche ernst nimmt und nicht als „Spinnerei“ abtut. Gute Kommunikation zeugt von guten Werten. Recruiter und Personalverwaltungen sollten im Zweifelsfall also Kandidaten fragen. Was wollt ihr von uns?

Work & Life

 

 

Grundsätzlich sollten Unternehmen auf der Suche nach neuen Fachkräften klar darlegen, wer sie sind und was ihre Unternehmenskultur ausmacht. Auch Aspekte wie Remote Work und Homeoffice sollte man transparent machen und entsprechende Zusatzleistungen wie Kinderbetreuung klar kommunizieren. Die Generation Z will wissen, mit wem sie es zu tun hat. Und das geht über das reine Gehalt und die reine Jobbeschreibung hinaus.

Sind Sie Teil der Generation Z? Oder haben Sie als Unternehmen Fragen zu diesem Thema? Sie finden uns unter anderem auf Instagram und weitere spannende Themen auf unserem Blog

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